In Neuhofen ist wieder Wahlkampf – man merkt es daran, dass die Bäume und Laternen plötzlich mit Plakaten behängt sind. Wahlplakate, wohin das Auge blickt!
Doch kaum hängen sie, schlägt nachts im Dunkeln der „Plakatgeist“ zu: Manchmal sind sie ganz verschwunden oder nur noch als dekorative Fetzen im Gebüsch zu finden. Ein gutes Drittel unserer Plakate mussten wir bereits ersetzen oder verarzten. Das kostet Zeit, macht Arbeit – und ehrlich gesagt: Vergnügen bereitet es uns nicht.
Natürlich wird die Polizei informiert, vielleicht hat ja jemand etwas gesehen. Wir probieren alles. Täglich drehen wir unsere Runde durch den Ort, sammeln abgerissene Überreste ein und geben den Plakaten, wenn möglich, eine zweite Chance.
Und während wir kleben, tackern und den Kopf schütteln, fragen wir uns: Was bewegt diese nächtlichen Randalierer? Politikverdrossenheit? Ärger über unverständliche Entscheidungen?
Uns jedenfalls bewegt etwas anderes: das mühsame Ringen um politische Verantwortung und vor allem kämpfen wir für Meinungsfreiheit und Demokratie. Unsere Plakate drücken unsere Ziele aus.
Wir haben uns deshalb entschlossen auf diesen Mißstand der Zerstörung plakativ hinzuweisen und haben eigene Plakate gestaltet. Wir wollen damit auf die demokratiefeindlichen Angriffe aufmerksam machen. Demokratie darf gerne leidenschaftlich diskutiert werden – aber am liebsten im Gespräch. Nicht im Schutz der Dunkelheit mit Klebstoff und Muskelkraft. Sie sollen daran erinnern, worauf es ankommt: zuhören, mitreden, sich einbringen – und am 22.03. wählen gehen.