Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Im Jahr 2024 wurde von Anette Winter in Neuhofen die Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen angestoßen. Was zunächst auf einige Bedenken stieß, hat inzwischen eine feste Form angenommen: Ein engagiertes Team aus vier Personen hat sich zusammengefunden, um regelmäßig Stolpersteinverlegungen zu organisieren und damit den Menschen aus Neuhofen ein Gesicht und eine Stimme zu geben, deren Schicksale viel zu lange im Dunkeln lagen.
Hinter jedem Stolperstein steht ein Mensch. Ein Mensch mit einem Namen, einer Familie, einem Zuhause, Hoffnungen und Träumen. Menschen, die mitten unter uns lebten und die während der NS-Zeit ausgegrenzt, verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Menschen, deren Leben brutal ausgelöscht wurde, nur weil sie nicht in das menschenverachtende Weltbild der Nationalsozialisten passten.
Auch in Neuhofen ist die Zahl der Menschen, die Opfer dieser Verfolgung wurden, erschreckend. Ihre Geschichten gehören zu unserer Ortsgeschichte. Ein Stolperstein kann keinen Menschen zurückbringen. Aber er kann dafür sorgen, dass sein Name nicht vergessen wird. Dass wir innehalten. Dass wir uns erinnern. Und dass wir uns fragen, was wir heute tun können, damit Ausgrenzung, Hass und Menschenverachtung niemals wieder zu Verfolgung und Vernichtung führen.
Die Stolpersteine holen die Geschichte aus den Büchern und Archiven zurück in unseren Alltag. Sie liegen dort, wo Menschen einst gelebt haben – vor ihren ehemaligen Häusern, mitten in unserer Gemeinde. Wir gehen an ihnen vorbei, bleiben stehen, lesen einen Namen und begegnen für einen Moment einem Menschen, der einst Teil unserer Gemeinschaft war.
Erinnerung ist mehr als ein Blick zurück. Erinnerung ist Verantwortung für die Gegenwart und für die Zukunft.
Mit jedem verlegten Stolperstein sagen wir deshalb: Wir erinnern uns. Wir vergessen euch nicht. Und wir werden nicht zulassen, dass eure Namen und eure Schicksale aus unserer Geschichte verschwinden.



