{"id":1418,"date":"2024-05-13T15:14:19","date_gmt":"2024-05-13T13:14:19","guid":{"rendered":"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/?p=1418"},"modified":"2026-08-06T18:35:23","modified_gmt":"2026-08-06T16:35:23","slug":"wasserstoff-als-waermequelle-fuer-die-private-waermeversorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/?p=1418","title":{"rendered":"Wasserstoff als W\u00e4rmequelle f\u00fcr die private W\u00e4rmeversorgung?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Gemeinde Neuhofen wurde in Kooperation mit dem Gasversorger Th\u00fcga ein Pilotprojekt gestartet, das die Umstellung des Erdgasnetzes in einem ausgew\u00e4hlten Wohngebiet auf 100 % Wasserstoff vorsieht. Ein entsprechender Antrag f\u00fcr dieses Vorhaben wurde \u00fcber das Klimaf\u00f6rderungsprogramm KIPKI gestellt, aber nicht bewilligt. Das Vorhaben soll nach Aussagen von Herrn B\u00fcrgermeister Marohn auf der Informationsveranstaltung zum Quartierskonzept und Nahw\u00e4rmekonzept am 7. Mai 2024 trotzdem weiter verfolgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gemeinderat bleiben bis heute viele Fragen unbeantwortet, wie beispielsweise die Herkunft des Stroms f\u00fcr die Wasserstoffgewinnung, die Notwendigkeit f\u00fcr Anwohner*innen neue Heizungen zu erwerben, die m\u00f6gliche Errichtung eines Betriebsgel\u00e4ndes durch Th\u00fcga, m\u00f6gliche Kosten f\u00fcr die Gemeinde und weitere Unklarheiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gr\u00fcne Ortsverband kritisiert das Projekt insbesondere wegen der mangelnden Ber\u00fccksichtigung wissenschaftlicher Fakten. Eine <a href=\"https:\/\/www.iee.fraunhofer.de\/content\/dam\/iee\/energiesystemtechnik\/de\/Dokumente\/Studien-Reports\/FraunhoferIEE_Kurzstudie_H2_Gebaeudewaerme_Final_20200529.pdf\">Studie des Fraunhofer IEE in Kassel<\/a> hat den Einsatz von Wasserstoff im zuk\u00fcnftigen Energiesystem, insbesondere in Bezug auf die Geb\u00e4udew\u00e4rmeversorgung, untersucht und mit der direkten Nutzung von elektrischem Strom in W\u00e4rmepumpen verglichen. Die Herstellung von Wasserstoff mittels Strom verursacht erhebliche Verluste und geht mit einem betr\u00e4chtlichen Energieverlust einher. F\u00fcr die private W\u00e4rmeversorgung ist eine W\u00e4rmepumpe 5 bis 6 mal effektiver. Weiter verliert man durch die notwendige Kompression des Wasserstoffs, um ihn in Gaszylindern transportieren zu k\u00f6nnen je nach Enddruck nochmals 7-12% des Energieinhalts von Wasserstoff. Eine Verdichtung des Wasserstoffs ist erforderlich, um ihn wirtschaftlich transportieren zu k\u00f6nnen. Unter atmosph\u00e4rischem Druck und Temperaturen betr\u00e4gt die volumetrische Dichte von Wasserstoff in Gasform 0,09 kg\/m\u00b3. Das bedeutet, dass viel Platz f\u00fcr die Speicherung des Gases ben\u00f6tigt wird \u2013 was in der Praxis einfach nicht effizient ist. Bei einer Verdichtung auf 250 bar betr\u00e4gt die Dichte ca 20 kg\/m\u00b3, man bekommt also in das gleiche Volumen das 222-fache an Wasserstoff. Das hat aber seinen Preis, die Verdichtung von Wasserstoff frisst viel Energie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"524\" src=\"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-1-800x524.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1419\" srcset=\"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-1-800x524.png 800w, https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-1-400x262.png 400w, https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-1-768x503.png 768w, https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-1.png 1252w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Stra\u00dfentransport muss energetisch ebenso betrachtet werden sowie der Aufwand zur Einspeisung selbst. Bis der Wasserstoff im Erdgas eingespeist ist, ist mehr als die H\u00e4lfte der f\u00fcr seine Erzeugung aus erneuerbaren Quellen aufgebrachte Energie wieder verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"780\" height=\"547\" src=\"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1420\" srcset=\"https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-2.png 780w, https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-2-400x281.png 400w, https:\/\/gruene-neuhofen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wasserstoff-2-768x539.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Technikfolgenabsch\u00e4tzung \u2013 Theorie und Praxis Nr. 1, 15. Jg., April 2006 Seite 27<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zitat aus o.g. Artikel \u201eWasserstoff ist lediglich ein Energietr\u00e4ger, dessen Herstellung, Verteilung und Nutzung enorm viel Energie verschlingt. Selbst mit effizienten Brennstoffzellen kann man nur ein Viertel des urspr\u00fcnglichen Energieinputs zur\u00fcckgewinnen. Langfristig wird man Wasserstoff elektrolytisch mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Da sich Strom \u00fcber Leitungen sehr effizient verteilen l\u00e4sst, kann Wasserstoff den Wettstreit mit seiner Ursprungsenergie nie gewinnen. Aus physikalischen Gr\u00fcnden hat eine Wasserstoffwirtschaft keine Chance.\u201c Auch der h\u00e4ufig propagierte Gedanke \u00fcberfl\u00fcssigen Strom in Wasserstoff umzuwandeln ist unrealistisch. Daf\u00fcr werden hochkomplexe Chemieanlagen ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fazit lautet: Wasserstoff als Energiequelle ist dort sinnvoll, wo keine wirtschaftlichen Alternativen existieren. Nach den Erkenntnissen des Gr\u00fcnen Ortsverbandes ist der Einsatz von Wasserstoff zur dezentralen Geb\u00e4udew\u00e4rmeversorgung aus Kosten- und Effizienzgr\u00fcnden nicht ratsam und stellt keine geeignete Klimaschutzma\u00dfnahme dar. Eine Versorgung mit Nah- oder Fernw\u00e4rme oder W\u00e4rme durch eine eigene W\u00e4rmepumpe ist \u00f6kologisch und finanziell deutlich nachhaltiger und sollte von der Politik vorangetrieben werden. Endverbraucher*innen sollten \u00fcber die fehlende Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffheizungen f\u00fcr das eigene Zuhause informiert werden. Stattdessen wird durch das Projekt des Ortsb\u00fcrgermeisters der falsche Eindruck einer g\u00fcnstigen, nachhaltigen Heizm\u00f6glichkeit mit wenig Aufwand erweckt. Sollte die Umstellung von Gas auf Wasserstoff in diesem Wohngebiet kommen, w\u00e4ren die Anwohner*innen jedoch gezwungen bis zu einem Stichtag ihre Gasheizungen in eine wasserstofff\u00e4hige Heizung umr\u00fcsten oder austauschen zu lassen oder auf eine andere nachhaltige Heizart umzusteigen &#8211; das ist unrealistisch und w\u00fcrde die Endverbraucher*innen \u00fcberfordern. Der Gr\u00fcne Ortsverband pl\u00e4diert daher daf\u00fcr, die kommunale W\u00e4rmeplanung der Verbandsgemeinde z\u00fcgig abzuschlie\u00dfen und dann den Ergebnissen entsprechend faktenbasiert zu handeln. Bis dahin sollten die B\u00fcrger*innen \u00fcber Ma\u00dfnahmen wie beispielsweise im Bereich D\u00e4mmen oder Photovoltaikanlagen informiert und durch F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten bei der Umsetzung unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Gemeinde Neuhofen wurde in Kooperation mit dem Gasversorger Th\u00fcga ein Pilotprojekt gestartet, das die Umstellung des Erdgasnetzes in einem ausgew\u00e4hlten Wohngebiet auf 100 % Wasserstoff vorsieht. Ein entsprechender Antrag f\u00fcr dieses Vorhaben wurde \u00fcber das Klimaf\u00f6rderungsprogramm KIPKI gestellt, aber nicht bewilligt. Das Vorhabe soll nach Aussagen von Herrn B\u00fcrgermeister Marohn auf der Informationsveranstaltung zum Quartierskonzept und Nahw\u00e4rmekonzept  am 7. 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